Nutzen statt besitzen im Internet

Ich leihe meinen Freunden gerne ab und zu ein Buch, eine CD oder eine DVD. Das ist immer auch eine Gelegenheit, über Dinge zu reden, die einem Freude bereiten, und im Gegenzug zu erfahren, was andere gerade so lesen oder hören.

Allerdings betrifft dies bisher nur „richtige“ Bücher, CDs oder DVS.  Mp3-Musikdateien, Kindle Ebooks, Amazon Music-Downloads oder Netflix-Streams kann ich Bekannten auf meinem PC zeigen, sie ihnen aber nicht gut mit nach Hause geben.

Zwar gibt es Verfahren, um auch solche digitalen Inhalte jemandem auszuleihen. Sie sind aber nicht nur umständlich, sie verstossen auch gegen alle Grundsätze des verantwortlichen Umgangs mit Passwörtern und vertraulichen Logins. Wer zum Beispiel ein Kindle-Ebooks teilen will, kann sein Amazon-Konto mit dem eines anderen Amazon-Kunden verlinken, worauf beide Zugang erhalten auf die jeweiligen Kindle-Bibliotheken. Aber hier kommt der Haken: Ich teile damit nicht nur meine Bibliothek (Musik ist ohnehin ausgeschlossen), sondern erteile mit diesem Schritt meinem befreundeten Mitleser vollen Zugriff auf mein Amazon-Konto:

When you set this up, both adults agree to allow the other adult access to each other’s payment methods. If you’re actually in a relationship with someone, this hopefully won’t be a big deal. On the other hand, this means you don’t want to set up Family Library with someone you don’t trust.

Lesefreunde habe ich zwar einige, aber will ich denn allen gleich meine Kontoinformationen geben?

Analoges Verfahren bei Netflix: Meine Familie hat Zugriff auf die Filme, weil wir das gleiche Konto verwenden, mit allen Zugriffen und Berechtigungen.

Dies kann nicht der Weg sein, wie „Sharing“ im Internet der Dinge funktionieren soll. Für ein Konto mit Passwort bin ich rechtlich und finanziell verantwortlich, es ist meine Privatsache. Die Inhalte eines Buches hingegen sind ein öffentliches Gut, ich will sie mit jedermann teilen können.

Wie könnte ein Verfahren aussehen, das wirkliches Sharing erlaubt ? Ich sende einem interessierten Bekannten den Link zu einem Buch, das ich elektronisch gerade lese. Der Bekannte wird vom Provider kontaktiert und darf das betreffende Buch (die CD, DVD…) für eine begrenzte Dauer ausleihen. Ich kann wählen: Entweder ich erhalte Bonuspunkte für meinen „lead“, oder ich gebe diese direkt an meinen Bekannten weiter in Form eines Discounts, den er erhält, wenn er sich zum Kauf entschliesst.

Das ist an sich nichts Neues, sondern nur die Idee der Sharing Economy, des „Nutzen statt besitzen„, auf die virtuelle Welt übertragen.  Die Internetkonzerne sollten vielleicht gelegentlich einen Blick aus ihren Glashäusern werfen auf die reale Welt. Warum sollte, was mit einer Bohrmaschine funktioniert, nicht auch mit Bücher und Filmen möglich sein?

Finger weg vom Edge-Browser in Windows 10

Windows 10 kommt mit integriertem Browser namens „Edge“. Er ist minimalistisch ausgestattet, einfach zu konfigurieren und äusserst schnell. Aber Vorsicht: er ist nur sehr eingeschränkt zu empfehlen, vor allem im Umgang mit kommerziellen Webseiten.

Folgende Erfahrungen habe ich gemacht:

Ein Produktkauf bei Postfinance (PF), den ich aus Edge ausführte, lief korrekt ab bis zum Punkt, an dem PF meine Bestellung quittieren sollte (normalerweise heisst es dann „Danke für Ihre Bestellung etc.“. Statt dessen kam eine Fehlermeldung, die den Abbruch der Transaktion suggerierte. Ich durchlief das Prozedere erneut, und wiederum brach die Transaktion am Ende ab. Am folgenden Tag erhielt ich einen Anruf von PF und wurde gefragt, ob ich wirklich das gleiche Produkt zweimal kaufen wolle, was ich natürlich verneinte.

Die Buchung eines Mietwagens via Edge über rentalcars.com verlief analog: Ich erhielt eine Fehlermeldung und buchte zweimal, was ich zum Glück wenig später anhand der eingehenden Email-Bestätigungen bemerkte. Es bedurfte einer sofortigen Intervention, um die beiden Transaktionen zu stoppen. Die Firma rentalcars.com erstattete die bereits von der Kreditkarte abgebuchten Beträge anstandslos zurück – aber nur weil ich sofort reagierte.

Schliesslich buchte ich mit Edge bei einer Schule einen Kurs. Da ich keine Bestätigung erhielt, meldete ich mich per Email beim Sekretariat. Ja lautete die Antwort, meine Buchung sei eingegangen. Und: Ob ich am Ende Windows 10 mit Edge benutzen würde? Da gebe es nämlich immer wieder Probleme mit Kundenbestellungen.

Das hat mich – endlich – überzeugt. Ich verwende jetzt nur noch und ausschliesslich den bewährten Firefox.

Und die Moral: Das Vertrauen in die Kompetenz der grossen Microsoft hat mich  lange blind gemacht für die Realität. Und die heisst: Mit Edge hat Microsoft wieder ein gefährliches Stück Software in Umlauf gebracht. Als wäre es das erste Mal…..

Lasst besser die Finger davon!

Bürger oder Konsumenten im Netz

Lassen sich die Bürgerrechte im Netz wirklich nicht gewährleisten? B. Drotzler, Medienwissenschaftler, vertritt diese Meinung in der NZZ: „Dabei führt kein Weg an dem klaren Eingeständnis vorbei, dass sich die Bürgerrechte im Netz nicht gewährleisten lassen“(3.2.2016).

Ich vermute mal, er verwechselt vielleicht Konsumenten mit Bürgern: Konsumenten haben nirgendwo Rechte, sondern sind nur und genauso lange willkommen, wie sie über Geld verfügen, um etwas zu kaufen. Bürger dagegen stehen die Rechte des Staates zu, in dem sie leben – Zugang zum Netz etwa gehört hierzulande eindeutig dazu.

„Die offene Gesellschaft“ werde sich nur trotz oder jenseits des Netzes behaupten können, schreibt der Autor weiter, denn wir verstünden noch viel zu wenig die Daseinsveränderungen, den Gesellschaftswandel, die politischen Verwerfungen, die das Netz bereits in Gang gesetzt habe.

Als die ersten Zeitungen erschienen äusserten konservative Philosophen die selben Befürchtungen. Sie sahen, wie ihnen die Deutungshoheit über Dasein, Gesellschaft und Politik von Journalisten entrissen wurde. Heute findet man anstelle der Philosophen das bedenkentragende deutsche Feuilleton mit seinen Warnungen vor dem Netz, den Internet-Konzernen, der allgegenwärtigen Überwachung. Viel Pathos zumeist, aber kaum Vorschläge für einen smarten Umgang mit dem Internet.

Die Cloud kennt keine Erben

Wer Rechte an Software oder Musik in der Internet-Cloud erwirbt, kann diese nicht ohne weiteres an seine Nachkommen vererben: So zumindest wollen es Apple und auch Facebook.

Hier ist Bedarf für klare Regelungen: Es kann nicht sein, dass Internet-Konzerne sich über das geltende Recht hinwegsetzen und persönliches Eigentum ohne Einverständnis der Erben in die eigene Tasche stecken dürfen.

Genaueres dazu hier im Heise-Beitrag.

 

Vorsicht bei Internet-Verträgen

Anstatt wie früher (vor fünf Jahren) Software oder Musik auf einem Datenträger zu erwerben, mietet man sie jetzt für einen bestimmten Betrag und eine bestimmte Dauer. Bei Software sehen die Verträge in der Regel eine Nutzung von einem Jahr vor. Die Anbieter verkaufen meist zusätzlich auch noch Speicherplatz für alle möglichen Dinge, Dokumente zum Beispiel oder Bilder, die dann ebenfalls nicht nur im Umfang sondern zeitlich begrenzt sind. Die Verträge werden per Klick abgeschlossen und verlängern sich häufig ohne Warnung automatisch. Die damit verbundenen Risiken sind:

Die automatische Verlängerung der Verträge (Bsp. Microsoft Office). Solange man den jährlichen Beitrag zahlt, kein Problem. Aber wenn nicht? Man verliert dann irgendwann nicht nur den Zugriff auf die Software, sondern auch, sofern man den Cloud-Speicher nutzt, auf sämtliche  eigenen Daten (Bilder, Dokumente, Musikstücke) die dort gespeichert sind. Die Kündigung solcher Verträge ist nicht immer einfach: Einer Bekannte von mir ist es nicht gelungen, ihr  Spotify-Abo zu kündigen – es blieb ihr schliesslich nichts anderes übrig, als eine neue Kreditkarte zu beantragen (mit neuer Nummer!), damit Spotify dort nicht automatisch Beträge abbuchen kann. Bei Parship scheint dies gar Teil des Geschäftsmodells zu sein (s. Forum)

Generell ist es von Vorteil, im Internet immer via Prepaid-Karte zu bezahlen und auf dieser die Kreditlimite möglichst klein halten.

Vergesslichkeit kann teuer werden: Für Cloud-Dienste gilt: Ohne Zugangsdaten kann nicht gekündigt werden, die Dienste laufen einfach weiter. Deshalb: Bei Abschluss von Cloud-Abos unbedingt die URL (die www….-Adresse), den Usernamen/Account-Login/ID (häufig die eigene Email-Adresse) und das Passwort notieren und zusammen mit anderen wichtigen Dokumenten wie Verträgen etc. aufbewahren.

Auch Swisscom bedient sich übrigens eines Automatismus, der nicht auf einfache Weise gekündigt werden kann: Die automatische Abbuchung von Datenpaket-Kosten auf dem Prepaid-Abo lässt sich nicht via SMS, sondern nur über Internet (mit Zugangsdaten) kündigen.

Vorsicht auch bei Probeabos, für die man bereits Kreditkarten-Daten angeben muss: Sie verlängern sich meistens automatisch, wenn man zu kündigen vergisst innerhalb der Probefrist. Auf solche Abos sollte man besser verzichten!

Last but not least: Die eigenen Daten (Dokumente, Bilder, Musikstücke) sollte man immer  aus der Cloud auf den eigenen Rechner kopieren (von Hand am besten), und in einem Format, das sicher mit Hilfe einer alternativen Open-Source Software wieder gelesen werden kann. Beispiele dafür sind LibreOffice für Office-Dokumente, Gimp und Ifan-View für psd-Dateien

 

Grosse und kleine Banditen

Bei fehlender Gerechtigkeit – was sind da Reiche anderes als grosse Räuberbanden?
Alexander der Grosse fragte einen aufgegriffenen Seeräuber, was ihm eigentlich einfalle, das Meer unsicher zu machen. Der Pirat entgegnete ihm: "Und was fällt dir ein, dass du die Welt unsicher machst? Freilich, weil ich es mit einem kleinen Fahrzeug tue, heisse ich Räuber. Du tust es mit einer grossen Flotte, und heisst Imperator".(Augustinus (5. Jh.)